60 jahre und kein bisschen weise。 Hanne Haller

Songtext: Curd Jürgens

60 jahre und kein bisschen weise

Meine bezaubernde Freundin Gela Löhr, Chefredakteurin des Onlinemagazins hat anlässlich ihres 50. Mir war sofort klar, da bin ich als Redakteurin mit einem Beitrag dabei. Aber: Ich steckte mitten in den Vorbereitungen für die Ausbildung meiner LebensDolmetscherinnen® und war zeitlich sehr angespannt. Irritiert schüttelte ich nochmal den Kopf, wohl wissend, dass kreischende Teenager nicht aufzuhalten sind. Nicht nur die Blogparade selbst! Mein Magen begann zu flattern, meine Hände wurden feucht und mein Herz klopfte immer lauter trommelnd wie ein wildgewordener Schlagzeuger einer Rockband. Bevor ich diesen ohrenbetäubenden Lärm und völlig irrationalen Stress in mir wegatmen konnte, purzelten Bilder und Geschichten wie Foto-Stapel aus meiner mittlerweile fast 60-jährigen Gehirn-Bibliothek direkt vor mich hin. Diese inneren Bilder wirkten etwas vergilbt und irgendwie eingestaubt. Das unbehagliche Gefühl drängelte sich wie ein wild flackernder Laserstrahl punktgenau in mein Gedächtnis. Ich wollte mich ablenken und spürte gleichzeitig: Da ist noch etwas, das noch nicht erledigt ist! Vielleicht muss ich an dieser Stelle erklärend erwähnen, dass ich grundsätzlich nicht so gerne zurückschaue! Mein Leben beginnt jeden Tag neu. Da meine Augen an der Vorderseite meines Körpers sind, ist es auch logischerweise einfacher, nach vorne zu schauen. Silke Steigerwald Vielleicht muss ich auch noch ergänzend erwähnen, dass ich lieber meine Zukunft visualisiere, statt über meine Vergangenheit nachzudenken. Da meine Vergangenheit hinter mir liegt, und nichts, aber auch gar nichts daran zu verändern ist, ist es auch logischerweise für den Ar… nach hinten zu schauen. Silke Steigerwald Mittlerweile bildeten sich Pfützen in meinen Händen. Ich suchte nach dem Notausgang in diesem Hirn-Kino. Egal wohin du läufst, du nimmst dich immer mit! Fängst du bei einem Puzzle auch immer mit den Eckteilen an und baust dann den Rand? Ein Lebens-Puzzle funktioniert so ähnlich. Exakt in diesem Moment hüpft das erste der vier Eckteile auf mein Papier: Silke mit 10: Meine Mama heiratet. Ob es tatsächlich der Porsche ist der mich beeindruckt, weiß ich nicht mehr genau. Wahrscheinlich ist es eher die Tatsache, dass ich endlich auch einen Papa habe. Wie die anderen in meiner Klasse. Nur wenige Monate später kommt mein kleiner Bruder dazu. Du lieber Himmel, was bin ich stolz auf ihn! Aber ich vermisse meine Großeltern bei denen ich bis zur Heirat meiner Mutter gelebt habe. Traurig und fast ein bisschen neidisch schaue ich auf diese heile Welt, in der Eltern, Großeltern und viele Kinder in einem Haus leben. Silke mit 20: Ungezähmter Freiheitsdrang. Ich will nur noch weg von zu Hause. Und vor allem weg vom Finanzamt. Vielleicht war die Ausbildung zur Finanzwirtin aber auch nur notwendig, damit ich meinem ersten Ehe-Mann und zukünftigen Vater meiner beiden Töchter begegnen kann. Eine Woche später kann ich dann doch ins Ausland reisen. Ich finde durch einen der glücklichen Zufälle im Leben einen Job als Exportsachbearbeiterin. Silke mit 30: Zum ersten Mal heile Welt. Ich bin jetzt verheiratet und lebe in einem kleinen Haus am Stadtrand. Rundum zufrieden, und vor allem glücklich über meine beiden wundervollen Töchter. Ich gebe meinen Job auf und arbeite von nun an im Autohaus meines Vaters und gebe meine Kinder in die Obhut meiner Mutter. Aber meine Lust auf das Leben und seine Geheimnisse treibt mich weiter. Ich beginne wieder mit großem Eifer zu lernen. Doch dieses Mal etwas, was mich wirklich interessiert: Ich werde Teil einer visionären homöopathischen Pionier-Gruppe und lasse mich zur Gesundheitsberaterin ausbilden. Ich will tiefer in die Faszination des Körpers einsteigen und werde Körpersprache-Expertin. Sehr zum Unwillen meines Mannes, weil ich plötzlich anstelle der klassisch artigen Hausfrauen-Rolle immer öfter auf der Bühne stehe und als begeisterte Speakerin und Motivationstrainerin mehr verdiene als er. Geburtstag wird eingetrübt vom Tod meiner Mutter. Und aufpoliert von einer mir bis dahin unbekannten Schwester, die als uneheliches Kind meiner Mama wie aus dem Nichts auftaucht und den Verlust-Schmerz deutlich durch spannende Aufregung kompensiert. Es wird gelacht, getanzt, gejubelt. Was die Gescheitheit mit 40 angeht und wie gut mein Mann Theater spielen kann, zeigt sich ein paar Wochen später: Er verlässt mich über Nacht und tanzt sein Leben mit einer anderen — natürlich viel jüngeren Frau — weiter. Mann weg, Haus weg, Freunde weg. Ich gehöre ab sofort zu den alleinerziehenden Frauen, bin Ende 40 und fühle mich uralt. Aber meine Kids brauchen mich. Keine Zeit, mit 4 einsamen Eckteilen in der Grube sitzen zu bleiben. Das ergibt kein vollständiges Puzzle. Ich beginne mich selbst zu motivieren. Ich will wieder aufstehen und weiterkommen. Ich baue neue Rahmenteile in mein Lebens-Puzzle ein. Mit miesen und schlecht bezahlten Nebenjobs finanziere ich meine nächste große Ausbildung zur Dipl. Das Lernen lenkt mich ab vom emotionalen Schmerz und gibt mir Kraft für einen Neuanfang. Doch mein Mann hält mir den Rücken frei für meine neue berufliche Herausforderung. Ein weiteres Hochglanz-Foto leuchtet auf: Die Eröffnung meiner eigenen Beratungspraxis. Meine neuen Nachbarn stehen Kopf. So viele Autos standen noch nie auf einmal in der Dorfstraße. Meine 50iger-Party: Klein, aber fein. Neue Freunde sind dazugekommen und die Glückwunschkarten meiner vielen neuen Kunden stapeln sich. Ich betrachte es nachdenklich und mit klopfendem Herzen. Und viele Teile haben sich perfekt passend eng aneinander geschmiegt. Hell leuchtend blinken die Familien-Puzzle-Teile. Meine Kinder lächeln mir entgegen, meine erste Enkelin wirbelt mit ihrer unbändigen Energie durch mein Puzzle. Mein Mann stärkt mich durch seine liebevolle Präsenz. Mein Bruder versprüht gute Laune. Strahlend blitzen die Kloster-Auszeiten und die vielen Begegnungen mit unzähligen Menschen durch mein Puzzle. Natürlich sind die dunklen Teile auf meinem Puzzle geblieben. Ohne sie wäre mein Leben nicht das, was es ist. Aber sie sind längst verblasst, denn der Glanz der vielen leuchtenden Teile schimmert liebevoll über ihre Schwere und nährt ihre Tiefe. Es gibt noch genügend Platz für neue Teile. Ich weiß, es werden immer noch viele weitere glänzende Teile dazu kommen. Und wahrscheinlich auch noch ein paar dunkle. Aber jedes Teil wird immer den Stempel meines unabdingbaren Ja zum Leben tragen. Zum Glück und hoffentlich darf ich noch ganz lange an meinem Puzzle weiterbauen. Für heute lehne ich mich zufrieden zurück und stelle fest: Nicht alles muss immer und sofort fertig werden. Noch keine 60 und doch schon ein bisschen weise. Auch du bist längst eines meiner leuchtenden Puzzle-Teile geworden. Übrigens, wenn du liebe Leserin auch ein Lebens-Puzzle starten möchtest, dann melde Dich bei mir! Ich zeige dir gerne, wie das geht. Schreibe einfach in den Betreff: Das Lebens-Puzzle. Wir finden auch in Corona-Zeiten einen Platz zum Puzzeln. Bevor ich mich für heute von dir verabschiede, möchte ich dir noch ein paar andere Beiträge aus der Blogparade vorstellen. Eigentlich müsste ich sie alle verlinken. Denn die spannendsten Geschichten schreibt immer das Leben selbst: Ein paar Geschichten haben mich besonders berührt, amüsiert und begeistert: Die Geschichte der mutigen und ihrer noch mutigeren Oma, die einfach alles liegen lässt und mit ihr nach Paris kommt. Der Beitrag von Frau , die uns sämtliche Klischees in die Tonne kloppen lässt. Die Geschichte von , die dachte, dass sie mit 40 schon alles erlebt hat. Und von die von der Corona-Krise voll erwischt wird und trotzdem Lust zum Spielen hat. Oder von Frau , die eine köstliche Hymne auf unsere Lebensmitte gereimt hat. Oder von der Sportsfrau , die sagt: Es gibt sie, die Unterschiede! Schau doch einfach auf der vorbei.

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60 Jahre und (k)ein bisschen weise

60 jahre und kein bisschen weise

Das Alter in dem die Zipperlein und Wehwehchen zunehmen. Das Alter in dem Du über Rente nachdenkst, sofern das, was Dir zusteht, überhaupt Rente genannt werden kann. Das Alter in dem Dir Gevatter Tod langsam wie ein alter Bekannter entgegen kommt. Nein, Gevatter, Du bist noch nicht dran! Ich bin nicht 60 Jahre alt geworden um jetzt aufzugeben und mein Leben einem schnellen Ende zu opfern. Mindestens weitere 60 Jahre brauche ich noch. Solange musst Du noch warten, Gevatter. Aber 60 ist schon ein Alter in dem ich mehr als vorher anfange nachzudenken, was noch zu tun ist. Ein Alter in dem ich Schnellschüsse möglichst vermeide und erst nach reiflicher Überlegung den nächsten Schritt mache. Naja, jedenfalls soweit das bei einem Abenteurer und Stehaufmännchen wie mir überhaupt möglich ist. Ein Alter in dem ich mehr als vorher nachdenke, wie sich die Welt verändert und wohin alles gehen könnte. Und da gibt es einiges, dass nicht nur mich nachdenklich machen sollte und auch nicht erst mit 60 Jahren. Es gehört auch dazu, dass ich zurückblicke. Es bringt nichts längst vergangenen Zeiten nachzutrauern. Und das gilt für alle Bereiche des Lebens. Aber wir können aus der Vergangenheit lernen, und das sollten wir auch. Es ist der Sinn des Lebens sich zu entwickeln. Der Eine oder Andere verspricht sich davon einen Fehler zu bereinigen oder eine Liebe besser zu pflegen, einen Satz nicht gesagt zu haben oder eine Tat ungeschehen machen zu können. Und wenn mich das Leben an eine bestimmte Stelle zurückbringen würde, dann hoffe ich inständig alles wieder genauso machen zu können, wie ich es getan habe. Alle Fehler noch einmal, alle Freuden genauso genießen, alle Schläge genauso hinnehmen müssen, alles wie gehabt. Die Summe aller 21915 Tage meines Lebens bis zum 60. Mit nur einer veränderten Sekunde wäre ich vielleicht ein ganz anderer. Das Leben ist so schön und voller Wunder. Ich muss aber bereit sein, mit offenen Sinnen durchs Leben zu gehen. Ein Abenteuer, das außer mir kein anderer erleben kann. Was aber nehme ich dann mit aus 60 Jahren Leben? Wissen, Erlebnisse, Erfahrungen, Menschen, die mein Leben geprägt haben. Und die Gewissheit, dass nicht nur ich einmalig bin, sondern auch jeder andere Mensch, jedes andere Lebewesen, jede Pflanze und jeder Stein auf unserem Planeten und darüber hinaus. Was ich mitnehmen darf ist die Achtung vor dem Leben, vor dem was ist und vor dem was in mein Leben tritt. Ich nehme Neugierde mit in die nächsten 60 Jahre, die mich fähig macht vorurteilsfrei allen und allem zu begegnen und aus jeder Begegnung etwas zu lernen. Ich nehme die Fähigkeit mit, anderen Menschen Dinge die ich gelernt habe zu erklären und vielleicht ein wenig von meinen Erfahrungen und meinem Wissen abzugeben. Vielleicht kann ich keine ökonomisch einwandfreien Seminare abhalten und die Menschen auf die mögliche wirtschaftliche Katastrophe in Europa vorbereiten. Aber ich kann erklären, dass nicht lamentieren die Not verhindert oder die Suche nach dem Schuldigen, sondern nur die Fähigkeit die Ärmel hochzukrempeln und aus der Situation das Beste zu machen. Ja, und manchmal ist auch das Beste immer noch zu wenig. Da hilft nicht jammern, sondern weitermachen und die nächste Lösung suchen. Möglicherweise kann ich keine soziologisch einwandfreie Beurteilung unserer gesellschaftlichen Entwicklung abgeben und den Menschen aufzeigen was alles schief gelaufen ist und geändert werden müsste. Aber ich kann aus meiner Erfahrung berichten, dass Gemeinschaft immer stark macht. Und nicht nur in der Erreichung gemeinsamer Ziele. Auch im Erleben von Freude und Harmonie. Individualität ist großartig, wenn sie als die Einmaligkeit verstanden wird, die das Individuum ausmacht. Aber sie darf nicht zur persönlichen und psychischen Vereinsamung führen. Menschen leben in Gemeinschaft am Besten. Eventuell verstehe ich manche Dinge im technischen Fortschritt nicht mehr oder nicht mehr so schnell. Aber dann darf ich den Mut haben Jüngere um Rat zu fragen, die mit dieser Technik aufgewachsen sind. Und die Jungen dürfen mich fragen, wenn sie mehr über das Leben und meine Erfahrungen damit wissen wollen. Aber gemeinsam wissen wir alles. Die Menschen müssen wieder lernen diesen gemeinsamen Schatz zu nutzen. Jeder kann seinen Beitrag leisten zur Gemeinschaft. Und jeder sollte mit seiner Fähigkeit, seinem Wissen und seinen Erfahrungen anerkannt und in die Gemeinschaft einbezogen werden. Wenn wir uns diesen Grundsatz zu eigen machen, dann können wir den Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen nicht nur helfen, sondern auch von ihnen lernen. Diese Menschen haben in ihrem Land gelebt, gelernt und gearbeitet, bevor es einen Grund gab die Heimat zu verlassen und nach Europa zu flüchten. Wenn Du Deine Heimat verlassen müsstest, flüchtest Du dann in ein Land das genauso arm ist wie es Deines war oder in ein vermeintliches Paradies? Insbesondere, wenn Du Kinder hast, denen es einmal besser gehen soll? Diese Menschen bringen ihr eigenes Wissen mit aus dem wir Schöpfen können, genauso wie sie aus unserem Wissen schöpfen werden. Und wenn Europa oder Deutschland doch nicht das Paradies ist von dem man ihnen erzählt hat, weil es uns auch nicht paradiesisch geht, heißt das dann sie müssen gehen? Oder sollten wir nicht das vereinte Wissen, die Erfahrungen und Werte dazu nutzen gemeinsam am Paradies zu arbeiten, jeder wie er kann? Niemand kann in die Zukunft sehen, aber ich befürchte, dass wir einer Weltwirtschaftskrise entgegen steuern, die uns allen weltweit sehr viel abverlangen wird. Und es wird nötig sein die Erfahrungen und Fähigkeiten der Alten mit den Kenntnissen und Wünschen der Jungen zu vereinen, um das Schlimmste zu verhindern. Vielleicht wird das die Menschen wieder dahin führen füreinander einzutreten statt gegeneinander zu agieren. Ich werde meinen Teil dazu beitragen. Und auch das bisschen Weisheit, das ich mir aneignen durfte, wird im Meer der Weisheit weniger als einen Tropfen ausmachen. Was macht all das dann so wertvoll? Hans-Peter Weyer zu meinem 60. Kalk wurde von den Menisken entfernt und… Kategorien.

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Songtext 60 Jahre und kein bisschen weise von Curd Jürgens

60 jahre und kein bisschen weise

Ich habe manchen Kratzer abgekriegt zu sagen es war halb so schlimm es wär' gelogen. Ich habe längst nicht immer nur gesiegt die Pose hat darüber weggetrogen. Mag sein er hing mir mal zum Halse raus der Wirbel den ich machte. Doch wenn ich ehrlich bin ich ließ nichts aus wenn es Schlagzeil'n brachte. Sechzig jahre und kein bißchen weise aus gehabtem Schaden nichts gelernt. Sechzig Jahre auf dem Weg zum Greise und doch sechzig Jahr' entfernt. Mitunter wär' ich gerne abgehau'n auf heißen Kohlen hab' ich manches Mal gesessen. Daß ich dann blieb das war nicht Selbstvertrau'n sondern Angst man könnte mich vergessen. Denn dickes Fell daß hatt' ich früher nicht ich hab's mir wachsen lassen. Es wuchs mir wie die Knitter im Gesicht und die Sorge was zu verpassen. Und du mein Kind findest das attraktiv für dich sind Falten gleichbedeutend mit Erfahrung. Du liegst bei jungen Männern schief sahst du schief und das gibt meiner Eitelkeit noch Nahrung. Du sagst du wärst nicht oberflächlich wie du scheinst was soll ich von dir halten. Doch Reife Kind wenn du das wirklich meinst hat nichts zu tun mit Falten.

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